Gestern Nachmittag, …

… als ich in den glücklichen Sphären schwebte etwas geschafft zu haben, klingelte das Telefon und meine Mutter war dran.
Wer auch sonst? So viele Menschen rufen mich nicht an. Manchmal noch mein Sohn, aber auch nur, wenn er etwas von mir möchte: „Mama, ich habe da ein Problem …“.
Es ist sehr gemein von mir, dass zu schreiben. Neulich rief er mich nämlich an, nur um mich anzurufen. Ich hatte ihm irgendwann mal gesagt, dass es nett wäre, wenn er mich mal anruft, nur um mich anzurufen oder vielleicht sogar, um zu fragen, wie es mir geht. Hat er gemacht.

Aber zurück zu meiner Mutter. Meine Mutter hatte Post bekommen. Was sie sehr freut, da sie inzwischen die Fähigkeit zurückerlangt hat, das Bett zu verlassen und mit dem Rollstuhl durch Pflegeheim zu rollern und eben hin und wieder, wenn sie dran denkt, in ihren Briefkasten zu schauen.
Gestern war es wieder mal so weit, dass sie sich auf den Weg gemacht hat. Wahrscheinlich weil sie noch wusste, dass Anfang des Monat immer die Rechnung für ihren zusätzlichen Inkontinenzeinlagen kommt. Muss sie nicht kümmern. Das Geld wird abgebucht, aber Post ist spannend.
Natürlich war gestern die Rechnung im Kasten und zu ihrer großen Freude noch ein Brief. Ein Brief von derselben Firma. Diese zweite Rechnung hat sie versucht mir vorzulesen … ich habe so viel daraus erkannt, dass es sich um die Zuzahlung für ihre gewöhnlichen Inkontinenzeinlagen handelt (ja, es viele Möglichkeiten die Inkontinenz in den Griff … in die entsprechende Vorlage zu bekommen und keine davon zahlt die Kasse wirklich … egal).

Tja, so weit so gut, aber wie komme ich jetzt an diesen Brief, um zu sehen, was wirklich Sache ist und im Zweifel die fällige Zuzahlung zu zahlen.
Mein schlaues Hirn dachte: „Sag ihr, sie soll die Rechnung mit ihrem Handy fotografieren und dir per WhatsApp schicken.“
Ich vertraute meinem schlauen Hirn und sagte ihr, sie möge die Rechnung fotografieren und mir per WhatsApp schicken. Ich erwähnte noch, dass Dinge wie der Betrag und die Rechnungs- und Kundennummer, die immer oben rechts stehen, wichtig sind.
„Ja, keine Problem. So machen wir das. Das kriege ich locker hin.“, bekam ich zur Antwort.

So sass ich dann hier, kramte in meinem reichen Papierschatz, den ich über für meine Mutter angelegt habe und wartete auf eine WhatsApp von meiner Mutter. Kam aber nichts.
Knapp zwei Stunden später rief sie nochmal an, um mir mitzuteilen, dass das mit dem Bild wohl noch etwas dauern würde. Ihr Handy ist mal wieder leer und muss erstmal laden.
Okay. Eilt ja nicht. Post ist noch frisch. Denn als ich letzte Woche Dienstag da war, war keine Post da gewesen.

Heute Morgen um kurz nach Sieben murrte … vibrierte (nachts ist das smarte Phone stumm geschaltet, um etwaigen „aus versehen und Mir-ist-langweilig-Anrufen zu entgehen, dem Festnetzanschluss wurde für die Nacht auch eine Klingelsperre auferlegt) dann mein smartes Phone, weil mir meine Mutter das Bild geschickt hatte.

Oh! Ja! Toll!

Ich quittierte das Ganze mit einem „Danke.“
Woraufhin ein: „Kannst du etwas damit anfangen?“, zurückkam.
Was mich dazu veranlasste ein: „Ja, das reicht mir.“ zurückzuschicken.
Zur Belohnung bekam ich ein: „prima.“ Sogar mit Smilie.

Die Aktion zeigt wieder einmal, dass einer von uns beiden nicht mehr ganz frisch im Kopf ist. Vermutlich bin ich diejenige. Schließlich habe ich mir den Quatsch mit dem Foto machen ausgedacht …

Ich hatte mir heute Morgen kurz angefangen mir Gedanken darüber zu machen, womit ich heute meinen Tag verbringen kann. Das hat sich von alleine geklärt …

Damit es mehr Spaß macht, habe ich mir erst einmal eine gemütliche Arbeitsatmosphäre geschaffen, (… muhaha …)

… weil ich nicht nur dieses Rechnungsdings klären muss, sondern auch noch die Heimrechnung überweisen und ihr Taschengeldkonto auffüllen und diversen anderen Kram für sie tun muss, den ich am Monatsanfang zu tun habe.

Und damit es nicht so langweilig ist, habe ich mir Vogel-TV angemacht:

Da sie ihr Kommen immer mit Geschrei ankündigen, muss ich nicht die ganze Zeit raussehen, sondern schaffe zwischendurch vielleicht tatsächlich etwas.

Jedem Tag wohnt ein neuer Anfang inne …

… so oder so ähnlich.

Ich beginne eigentlich jeden Tag mit der Absicht: „Ja, heute raffe ich mich endlich auf und mache dies und das. Erledige, was schon ganz lange darauf wartet in Angriff genommen oder fertig gemacht zu werden.“

Meist verpufft die Absicht recht schnell, weil wieder einer meiner Energiefresser, meist meine Mutter mit einem Anruf, der den Auftrag enthält, dass ich einmal mehr ein Problem ihres Lebens zu lösen habe, meine Energie frisst.

Aber ich will nicht ungerecht sein. Ich kann mich auch wunderbar allein von den Dingen abhalten, die ich eigentlich tun wollte, sollte und müsste (wie zum Beispiel meinen Internetshop endlich zu Ende einrichten und eröffnen … ich hasse es … es geht mir so auf die Nerven, dabei habe ich das Schlimmste schon geschafft).

Heute zum Beispiel habe ich mich mit dem hier …

… dem Vogel abgelenkt.

Nein, der Vogel ist natürlich nicht Tag füllend, aber es ist doch ein weiter Weg bis zu ihm, wenn man/ich erst einmal los muss, um die Dinge für seine Entstehung zu erstehen und man/ich nicht so früh loskommt, wie man gerne möchte, weil man/ich erst wieder einmal der/meiner Mutter Dinge erklären muss …
(Sie per WhatsApp: „Warum buchen DIE Geld von meinem Konto ab?“
Ich per Telefon, weil es einfacher ist … es kann nämlich sein, dass sie eine WhatsApp-Nachricht erst nach drei bis zwölf Tagen liest … „Wer sind DIE?“
Sie: „Na, DIE in meinem Handy. Ich kucke da manchmal nach und jetzt ist es weniger.“
Ich: „Das ist okay. Das machen DIE jeden Monat. Das ist die Gebühr, damit dein Handy funktioniert. Du damit ins Internet kannst (meine Mutter schafft es 3GB Datenvolumen in zwei Tagen zu verbrauchen … das schafft nicht mal mein Kind … wir sind alle sehr beeindruckt, wollen aber nicht wirklich wissen, wo sie sich rumtreibt).“
Sie: „Ach so. Aber eigentlich habe ich das ja gewusst.“ (der Zusatz kommt immer, damit ich nicht glaube, sie wäre blöd … senil … verkalkt … eigentlich will sie nämlich nur meine Intelligenz fördern/fordern)
Ich: „Das ist prima, wenn du das gewusst hast.“
Sie: „Das machen DIE wahrscheinlich öfter.“
Ich: „Ja, das machen DIE alle 30 Tage.“
Sie: „Ach so. Aber das wusste ich ja. Wollte nur hören, ob du das weißt.“
Ich: „Ja, ich weißt das und ich sorge immer dafür, dass du genug Guthaben hast, damit DIE alle 30 Tage Geld abbuchen können.“
Sie: „Das ist gut. Vielleicht frage ich nochmal. Nur zur Sicherheit. Denn eigentlich weiß ich das. Ich frage nur, damit du das nicht vergisst.“
Ich: „Mach das.“
Falls jetzt an dieser Stelle jemand ermattet ist, kann ich das verstehen. Es ist ermüdend.
In 30 Tagen führen wir … also ich (ja, ich bin ein Esel und gehe an dieser Stelle voran) und meine Mutter, nicht ihr da draußen am anderen Ende meines Blogs … denselben Dialog.

Wir, also meine Mutter und ich, haben viele Themen dieser Art, die wir tagtäglich wiederholen können. Uns geht der Gesprächsstoff quasi nicht aus.
Mich macht es müde … mich zermürbt es.
Nicht weil ich es schrecklich finde, dass meine Mutter immer mehr im Wo-auch-immer versinkt … nicht mehr aktiv am Leben teilnimmt.
Ich habe auch nicht im Geringsten die Angst, dass sie mich eines Tages vergessen könnte … sich nicht mehr an mich erinnert, weil sie mir den Gefallen nie tun/die Erleichterung zukommen lassen wird.
Ich finde es ermüdend/zermürbend, weil es so nutzlos, so Zeit und Energie raubend ist.
Weil ich seit Jahrzehnten darauf konditioniert bin, die Wünsche meiner Mutter sofort zu erfüllen … so schwachsinnig sie auch sein mögen und ich finde es ärgerlich, dass ich es bei allem Wissen nicht schaffen, mich davon freizumachen.
Ja, es ist nicht meine Mutter.
Ich bin Diejenige, die es nicht schafft sich freizumachen.

Und weil das jetzt alles so ist, wie es ist … nein, ich habe diesen sinnfreien, ermüdenden Blogbeitrag nicht geschrieben ;O), … gebe ich meinen rosa Elefanten jetzt noch Konturen, Ecken und Kanten und Charakter … oder so ähnlich …

Und morgen starte ich dann wieder mit den „guten“ Vorsätzen und mache die Dinge, die ich schon lange machen wollte …
… unter anderem endlich meinen Shop fertig.

Da ich noch keinen Plan …

… für den heutigen Tag habe und meine Hausschlappen vom morgendlichen Gang auf dem Balkon, um dem Gatten aus dem Haus zu winken, damit ich sicher sein zu kann, dass er weg ist, noch nicht trocken sind, habe ich Zeit und Muße zum Bloggen, bis ich einen Plan habe.

Außerdem muss ich euch erzählen, dass ich heute Morgen den Nikolaus erwischt und der Wohnung verwiesen habe, weil er alles vollgetropft hat …

Ja, er sieht schon ein bisschen arm aus, wie er da so im Regen steht, aber ich hatte trotzdem kein Erbarmen.
Warum? Weil er schlampig gearbeitet hat. Die Verpackung der Gaben für den Gatten hat er einfach hingehunzt …

Ich weiß auch warum. Weil er gestern Nachmittag während der Shopping Queen vor dem Fernseher eingeschlafen und immer nur in den Werbepausen und zur Endpräsentation wach geworden ist (ich vermute, dass er nichts wesentliches verpasst hat). Dann kam der Gatte auch noch früher als sonst nach Hause und so musste er sich sputen die Dinge ins Papier geknüllt zu bekommen. Dann lief auch noch der eigentlich geplante Plan schief … das sehr chice karierte Klebeband wollte auf dem ebenso chicen wie grafisch anderem Geschenkpapier nicht kleben, die auserwählten Stifte waren schon ein wenig fertig mit ihrem Stifteleben (aber konnte ich er vorher wissen, dass ich er nachher Stifte braucht? Der Plan war ja ein anderer) und die letzten fünfunddreißig Papiersterne hat er auch vor mindestens zehn Jahren geschnitzt.
Also ist das Ergebnis sehr mäßig bis mittelmäßig scheußlich.

Aber ich vermute, wenn er denn mal rechtzeitig anfangen würde, würde am Ende durchaus etwas hübsches herauskommen. Vielleicht schafft er es im nächsten Jahr rechtzeitig. dann muss ich ihn nicht in die Kälte rausschicken oder es regnet wenigstens nicht.

Da in mir ein Plan gereift ist, verlasse ich jetzt diesen Platz und begebe mich in die Küche und backe Kekse … vielleicht … vielleicht mache ich auch erst einmal KnusperCornFlakes in Schokolade … aber zuerst nehme ich auf jeden Fall den Fisch für die Fischfrikadellen heute Abend aus dem Tiefkühler … auf dem Weg in die Küche könnte ich ein wenig Kloreiniger ins Klo schütten und dann könnte ich mir noch den Staubsauger an den Hintern binden und anmachen … anmachen muss ich auch noch den Strom an des Gattens Schreibtisch, damit sich sein Schlepptop mit Strom vollsaugen kann … vielleicht sollte ich vorher noch ein Paket packen und mich bei meinem neuen Mobilfunkanbieter anmelden … ich glaube, ich haben doch noch keinen Plan … keinen guten Plan … eher einen losen, wild und wirr bekritzelten Zettel … habt einen schönen Nikolaus!

Das FreitagsMilchKaffeeGesicht …

… sieht ungefähr so aus, wie ich mich fühle.
Dieses Jahr hat mir wirklich arg zugesetzt und ich kämpfe im Moment sehr mit meiner Depression und mit der Angststörung (gestern hätte sie fast gesiegt und mich nicht aus der Wohnung gelassen, aber ich habe mich nachmittags doch noch aus der Wohnung geschleppt und bin mit weichen Knien, hoch gezogenen Schultern und bei jedem lauteren Geräusch zusammenfahrend durch die Gegend gewankt und habe es sogar in den Supermarkt geschafft).

Da mein Allgemeinzustand nicht so toll ist, ist es umso wichtiger, dass ich bei aller Pflichterfüllung auch etwas für mich tue, was mir gut tut.
Meistens vergesse ich leider was mir gut tut und bin dann umso entzückter, wenn es mir wieder einfällt.
Gestern zum Beispiel fiel es mir ein. Zwar auch nur über den Umweg – „Ach ja, ich wollte ja Andrea als Dank ein Paar Handstulpen für den kalten Winter draußen bei den Alpakas aus Cody stricken.“

Also habe ich den gewaschenen Cody und die Handkarden herausgeholt …

… habe das Alpaka gekämmt.
Aus diesem 7g Häufchen …

… wurde dieses 7g Wölkchen …

So flauschig. Einfach toll.

Jetzt muss ich mich ein bisschen ran halten und mehr Cody waschen, damit ich mehr kardieren, dann spinnen und letztendlich die geplanten Dankes-Handstulpen stricken kann.
Der Unterschied zwischen gewaschen und ungewaschen ist wirklich immens …

Ja, die linken und die rechten Faser stammen tatsächlich vom selben Tier.
Ich habe nachdem ich die erste Fuhre Fasern gewaschen hatte, bei der Besitzerin nachgefragt, ob sie den Sand wieder haben möchte. Es kam schon aus der kleinen Ladung Fasern die halbe Sahara raus. Verständlich, Alpakas haben nichts besseres zu tun, als Fressen und sich im Sand zu suhlen.

Im Sommer durfte ich die edlen Wollspender besuchen. Zum einen ist da Cody …

Zu dem Zeitpunkt lag die Schur schon zwei Monate zurück. Was ganz gut ist. Man sieht die „Mähspuren“ nicht mehr so.
Cody ist ein Wallach und nur darum darf er in der kleinen, im Aufbau befindlichen Herde leben.
Neben Cody gibt es noch Mutter und Kind (die Namen habe ich leider vergessen) …

Das vorne liegende Alpakababy ist auf dem Bild gerade drei Tage alt. Eine wirklich Süße.

Man beachte die für Alpakas typisch eingeknickten Vorderbeine.

Das hier ist die verfressene Helene. Eine total Hübsche, die an diesem Tag Geburtstag hatte und so viel fressen durfte, wie sie wollte und sie wollte viel und hing ständig mit ihrer Schnauze im Futterbeutel, wenn man ihr nicht schnell genug die Möhrenstücke angereicht hat.
Dann gibt es noch Achille …

Achill ist der Erstgeborene der obigen Mutter, deren Name mir nicht einfällt und somit der Bruder von dem diesjährigen Fohlen, mit dem ebenfalls von mir vergessenen Namen. Ich weiß nur, dass er mit B anfängt. Aber auch nur weil es logisch ist … Achille, der Erstgeborene der jungen Herde und nach A folgt B.

Achille hat inzwischen die Herde verlassen. Er wurde gegen zwei bunte Stuten getauscht, damit er in der eigenen Herde keinen Unfug anstellt und weder Mutter noch Schwester besteigt. Zwei Stuten als Tausch, weil Achille gute Gene hat und man davon ausgeht, dass er ein guter Deckhengst wird. Außerdem hat er für einen Hengst… einen pubertierenden Hengst ein sanftes Gemüt.

Der Ausflug zu den Alpakas hat mir viel Freude gemacht. Obwohl es brüllend heiß war, ich nur das klapprige Familien-an-Besucher-Ausleihfahrrad der großen Schwester fahren durfte, bei dem alle naslang die Kette abgesprungen ist (inzwischen war das Fahrrad in der Werkstatt, hat man mir berichtet … ich habe ihm den Rest gegeben :O))) ) und ich mich nebenbei, weil es auf dem Weg lag, um den Anschub der Wohnungsentrümpelung von meiner Mutters Wohnung kümmern musste.

Ich wurde sogar darum gebeten die Alpakas nebst den dazugehörigen Menschen möglichst bald wieder zu besuchen. Und wenn ich mich im nächsten Jahr früher entscheiden kann, dass ich Alpakawolle will, bekomme ich nicht nur weißen Cody, sondern auch andere Farben. Eigentlich ist es mir egal. Zur Not kann man die Fasern färben und da ist Weiß sowieso die beste Option. Allerdings wäre so ein Helene-Fließ schon schön. Helenes Farbe ist toll.

Beim Schreiben merke ich gerade wie gut mir der Besuch der Alpakas wirklich getan hat. Vielleicht sollte ich das bald wiederholen.
Beim nächsten Besuch in Berlin zwei Stunden bei den Alpakas einplanen. Kucken, staunen, die Alpakas mit Möhrenstückchen vollstopfen und mit ein bisschen Glück ein wenig Flauschen. Die mögen nämlich nicht gern gestreichelt werden. Kann ich aber gut verstehen. Ich lasse mich auch nicht von jedem Flauschen.
Die verfressene Helene ist manchmal zu einem Tauschhandel bereit: Möhre gegen einmal Flauschen lassen.

Samstagmorgen

Den Gatten habe ich nach einem Morgenkaffee und seinem Frühstückstoast auf dem Balkon schon vor einer Weile zur Arbeit geschickt. Ich dagegen sitze nach diversen kleineren Verrichtungen immer noch untätig auf dem Balkon herum und genieße die morgendliche Kühle und bestaune alles, das um mich herum fliegt und brummt und das genießt, das ich für Biene, Hummel & Co. in luftiger Höhe gepflanzt habe. Anscheinend habe ich den Geschmack getroffen.

An sich könnte ich sehr zufrieden sein, denn der Moment ist gerade gut. Aber ich kann mich nicht in Frieden lassen.
Ich kann nicht still sitzen. Ich kann nicht nichts tun.
Eine komische seltsame Instanz in mir meint, mir würde ohne das ich etwas tue, jegliche Lebensberechtigung entzogen.
Wenn ich nichts tue, bin ich nichts wert.
Wenn ich wirklich mal nichts tue, muss ich mich mit schlechtem Gewissen bestrafen.
Das muss man mir ganz früh irgendwo irgendwie ins Hirn … in die Seele … ins Ich gepflanzt haben. Es ist ganz fest verwurzelt und lässt sich nicht ausreißen … ausrotten.

Selbst während ich hier schreibe, was an sich auch nichts tun ist, weil im Zweifel mache ich es für mich selbst und das ist nichts … nicht wichtig, arbeitet ein anderer Teil in mir und überlegt, was ich machen muss, um meine Pflicht erfüllt … meine Daseinsberechtigung erfolgreich verlängert zu haben.
Ganz schön starker Tobak.

Vielleicht ist heute ein guter Tag mich im Nichtstun zu üben …

… aber erst nachdem ich Staub gesaugt und das eine oder andere von A nach B sortiert habe. Ich könnte auch noch zwei Briefe an die Versicherungen schreiben, mir Gedanken darüber machen, wie ich die Teile des Lebens meiner Mutter weiter sinnvoll verwalte und was als nächstes getan werden muss. Die Steuererklärung muss auch noch gemacht werden.

Ich muss los! Nichtstun!

P.S. Wenn ich mich erfolgreich im Nichtstun geübt habe, versuche ich mit Nichts denken … fiel mir gerade beim Staubsaugen ein …