Samstag

Langsam muss ich an die Tage ranschreiben, wie sie heißen, damit ich noch ungefähr weiß, an welcher Stelle der Zeitrechnung ich mich befinde.
Nicht, dass dieses Gleichmass wirklich schlecht wäre, aber es ist verwirrend.

Ähnlich verwirrend wie so manches, das ich über die Corona Pandemie lese und höre.
Wie kann man zum Beispiel nach gerade mal fünf Tagen Kontaktsperre darüber nachdenken, diese schon wieder aufzuheben?
Hallo! Geht es noch?
Wir halten einmal kurz die Welt an, bringen die Wirtschaft fast zum Stillstand, zerstören Existenzen, setzen unglaubliches Geld für Hilfspaket, was auch immer sie bringen mögen, frei und so weiter und so weiter und dann nach noch nicht einmal einer Woche denkt man an die Rückkehr ins normale Leben nach? Kann ja wohl nicht sein …

Vielleicht sind aber wirklich die meisten Menschen wie meine 85 jährige Mutter, die mich jeden Tag fragt, wann das denn alles vorbei ist. Die der Meinung ist, dass es lange genug dauert und sie es nicht mehr hören kann.
Sie versteht es einfach nicht. Außerdem langweilt sie sich in ihrem Heim zu Tode, obwohl sich für sie nicht so viel verändert hat.

Bei mir hat sich bisher keine Langeweile eingestellt. Mit irgendetwas bin ich immer beschäftigt. Manchmal erscheinen mir Tage sogar kürzer als sonst. Das liegt sicherlich daran, dass ich jetzt jeden Tag 24 Stunden den Gatten um mich habe. Das bin ich nicht gewohnt. Sonst bin ich alleine.
In der Tat ist die Kontaktsperre für mich nicht schwer umzusetzen. Bei manchen Maßnahmen würde ich es sogar begrüßen, wenn man sie beibehält. Ich finde es zum Beispiel großartig, dass man mir im Supermarkt nicht mehr am Rücken klebt.

Weniger großartig finde ich dagegen, dass ich nicht weiß, wann ich mein Kind wiedersehe. Das ob, das durchaus in meinen Gedanken kreist, habe ich im vorherigen Satz bewusst weggelassen … man weiß ja nicht.

Damit mein Kind sieht, dass ich an ihn denke, habe ich gestern mit dem Schal angefangen. Die Anleitung zu dem gewünschten Schal hatte mir schon beim ersten Lesen leichte Fragezeichen auf die Stirn gezaubert.
Nicht etwa weil sie in Englisch ist, sondern weil sie außerordentlich ausführlich ist … es gibt noch nicht einmal eine Angabe, wie viel Wolle gebraucht wird. Darum habe ich natürlich viel zu viel Wolle bestellt und kann mindestens drei Schale häkeln.
Gestern versuchte ich mit dem ersten Knäuel Wolle und einer Häkelnadel bewaffnet die Anleitung zu verstehen. Sollte eigentlich mit den richtigen Anleitungsbegriffe nicht so schwer sein. War es aber, weil eben nicht wirklich richtig …
Irgendwann habe ich die Anleitung in die Ecke gepackt und mir durch Versuch und Irrtum das Muster erschlossen.

Es ist an sich nicht schwer, nur etwas mühsam ewig die gekreuzten Maschen zu häkeln, …

… aber dem Kind gefällt es und ein bisschen regenbogenbunt kann meinem Leben auch nur gut tun.

Nun werde ich mich ins Bad begeben und mich tagfein machen, damit wir frühstücken können … ja, wir verlottern so richtig.

Ab jetzt wird alles besser (ironiean/aus)

Heute wäre nämlich unsere Abreise von Rügen gewesen. Somit müssen wir nicht mehr traurig sein, dass der Urlaub geplatzt ist und wir viele traumhafte Sonnenuntergänge verpasst habe. Das Wetter war nämlich die ganze Zeit, die wir auf der Insel gewesen wären, genauso schön wie vor drei Jahren zu unserer Hochzeit.

So wie oben drüber sah mein Schloss, indem wir geheiratet haben, und das Wetter 2017 am 24.03. aus und so sah es am vergangenen Dienstag aus, …

Im Moment hat das Schloss seine Pforten geschlossen und man kann nur im weiten Bogen herumgehen.
Ich habe noch nie ein Bild von meinem Schloss gemacht auf dem keine einziger Mensch ist. Eine völlig neue Erfahrung.

Um unseren Hochzeitstag und meinen Geburtstag gebührend zu feiern, sind wir abends essen gegangen … wir haben unser Essen von der Küche an den Esstisch im Wohnzimmer getragen. Es gab Zanderfilet auf einem Grüne Linsen Chicoree Tomaten Rague. Sehr lecker.

Dieser besondere Tag war zwar nicht wie geplant, aber wir haben im Rahmen der Möglichkeiten das Beste daraus gemacht.

Um nicht daran denken zu müssen, dass ich wegen diesem Corona Kram mein Kind nicht wie geplant am Wochenende hier begrüssen kann, werde ich mich ans Werk machen und ihm den Schal tatsächlich häkeln, den er sich gewünscht hat. Heute Morgen ist nämlich endlich die Wolle dafür gekommen.

Diese Statusänderung musste ich ihm natürlich gleich mitteilen:

Freut mich sehr, dass er ihm gefällt.

Falls ihr demnächst nichts mehr von mehr lest, liegt es daran, dass der Gatte und ich uns die Köppe eingeschlagen haben. Er hat, weil er, wie schon erwähnt, zur Risikogruppe gehört, seinen Urlaub bis zum 19.04. verlängert. So lange waren wir noch nie am Stück zusammengepfercht. Schon gleich gar nicht mit so wenig Auslauf.
Seit Montag weiß ich, dass ich ebenfalls zur Risikogruppe gehöre. Bisher hatte ich mich immer damit getröstet, dass ich nur Heuschnupfen habe und kein Corona. Nun weiß ich, dass mich der Heuschnupfen in die Risikogruppe einreiht. Fein, ich mochte ihn noch besonders gerne. War immer eher genervt von ihm. Das macht unser Verhältnis nicht besser. Ich würde mich gern von ihm distanzieren, schon seit Jahrzehnten, aber er ist und bleibt anhänglich und hält sich nicht an die Kontaktsperre.